Meine Rede zum Antrag für ein Pflegenottelefon in Berlin
Sehr geehrte Damen und Herren! Erst mal finde ich es gut, dass die Koalition das Thema auch aufgesetzt hat, denn ich glaube, in einer alternden Gesellschaft müssen wir uns noch viel mehr Gedanken darüber machen, wie wir eine gute Pflegeversorgung hinbekommen, denn es gibt über 200 000 pflegebedürftige Menschen in Berlin. In den meisten Fällen leben diese Menschen zu Hause und werden von Angehörigen und/oder ambulanten Pflegediensten unterstützt, und in den allermeisten Fällen läuft das auch gut. Ich finde, bevor wir über die Probleme sprechen, müssen wir auch einmal als Parlament sagen: Hut ab, Respekt dafür! Danke, dass Sie jeden Tag mit Ihrer Unterstützung pflegebedürftiger Menschen auch diese Stadt am Laufen halten! Danke an alle pflegenden Angehörigen!
Denn es ist ja mehr als die Quadratur des Kreises, wenn man Angehörige pflegt, häufig noch neben Erwerbsarbeit vielleicht auch Erziehungsaufgaben oder selbst beginnender Pflegebedürftigkeit. Gleichzeitig sieht man, wie ein geliebter Mensch körperlich immer mehr abbaut, sich vielleicht sogar verändert, wenn vielleicht auch unausgesprochene Probleme eines gelebten Lebens auf einmal hochkommen und dann nämlich Überforderungssituationen entstehen. Zu diesen Fragen gab es letztes Jahr einen großen Fachtag zur gewaltfreien Pflege des LKA 12 „Gewaltfreie Pflege“ im Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge. Die große Forderung, die wirklich von allen aus verschiedenen Ecken kam, war: Bitte schafft in Berlin ein Pflegenottelefon nach Hamburger Vorbild. Denn ja, wir haben die super Beratungsstelle Pflege in Not.
Im Gegensatz zu Herrn Zander fanden wir das wichtig, das hier auch einmal zu erwähnen in unserem Antrag, weil wir glauben, dass man daran anknüpfen muss. Wir haben die regional vernetzten Pflegestützpunkte, wir haben die Kontaktstellen Pflegeengagement, aber wir haben keine Struktur, die akut 24/7 greift, wenn eine Situation eskaliert und ein pflegebedürftiger Mensch aus einer Notsituation dringend raus muss. Heute passiert im schlimmsten Fall nichts, und es kommt zu einem Gewaltvorfall, und im besten Fall wird die 112 oder 110 angerufen, und die pflegebedürftige Person kommt ins Krankenhaus. Das muss sich dringend ändern.
Ich gebe zu, ich war erst skeptisch, denn das Wort Pflegenottelefon suggeriert, es sei nur eine weitere Hotline. Da kann ich an Herrn Zander gut anknüpfen, denn nach der 116117 wäre das dann die dritte zu den ganzen individuellen Notrufen. Wer soll sich das merken? Aber die Idee ist viel klüger, denn die Hotline ist ein Hebel, um zum einen eine digitale Echtzeitübersicht über freie Notfall- und Kurzzeitpflegeplätze zu haben, die wir momentan nämlich nicht haben, auf die Krisenhotline, Rettungsdienste, Krankenhäuser und Pflegestützpunkte zugreifen können. Und es gibt die Möglichkeit, endlich neue Notfall- und Kurzzeitpflegeplätze zu schaffen, denn aktuell gibt es in Berlin ein paar Hundert. Das ist angesichts von über 200 000 pflegebedürftigen Menschen in Berlin viel zu wenig, denn wenn es mehr Kurzzeitpflegeplätze gäbe – Studien sagen zum Beispiel: Eigentlich bräuchten wir 4 000 für Berlin –, dann werde es auch weniger Notfallsituationen und Überlastungen geben. Da müssen wir hin!
Wir beantragen das heute hier im Parlament, konkret gut eingefügt in die Berliner Pflegelandschaft, denn wir wollen keine Verwirrung stiften. Es gibt sowieso schon viel zu viel Pflegedschungel. Nur gemeinsam meistern wir die Pflegeaufgaben, die vor uns liegen. Deswegen habe ich mich sehr gefreut, als der Kollege Herr Düsterhöft bei dem Abendgespräch von „wir pflegen“, was wir hier interfraktionell hatten, gesagt hat, dass die Koalition ein Pflegenottelefon auf den Weg bringen will. Denn es wird unbedingt mehr Unterstützung benötigt, damit wir keine akute Pflegekrise haben. Alle, die dabei waren, erinnern sich sicherlich noch an die pflegende Angehörige, die uns weinend ihre Situation geschildert hat. Ich glaube, da würde ein Telefon wie in Hamburg gut helfen.
Ich will nur eines sagen: Bitte lassen Sie uns nicht auf den Bund warten, sondern hier endlich zu Taten kommen. Denn bei der Krankenhausreform warten wir schon ewig auf den Bund und nichts passiert. Wir müssen in Berlin unsere Probleme selber lösen!
- Die Rede wurde am 12.03.2026 im Abgeordnetenhaus gehalten
- Hier ist der passende Antrag zum Nachlesen