Wie laut ist die Berliner Stadtbahn?

Jedes Jahr verlieren EuropäerInnen 61.000 Lebensjahre durch verkehrlärmbedingte Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Rund 54% BürgerInnen in Deutschland fühlen sich nach einer repräsentativen Umfrage des Umweltbundesamtes durch Lärm belästigt oder gestört. In Ballungszentren wie Berlin ist das Problem allgegenwärtig und besonders an Hauptverkehrsadern virulent. Ein Lärmhotspot ist die Berliner Stadtbahn. Ich habe beim Senat abgefragt, wie viele Menschen vom Lärm der Berliner Stadtbahn betroffen sind und welche Maßnahmen dagegen unternommen werden. Meine Fragen und die Antworten des Senates findet ihr hier.

Die durch eine Lärmexposition entstehenden Beeinträchtigungen sind, neben einer allgemein wahrgenommen Beeinträchtigung und Störung, vor allem gesundheitlicher Natur. Ein Lärmpegel von mehr als 85 dB kann zu Gehörschädigungen führen, ein Pegel von über 60 dB kann Ursache für nervöse Stressreaktionen, eine erhöhte Herzfrequenz, einen erhöhten Blutdruck und hormonelle Veränderungen sein. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen treten insbesondere dann ein, wenn die Exposition über einen längeren Zeitraum hinweg erfolgt. Besonders negativ wirkt sich Lärm in der Nacht aus, bereits niedrige Dauerschallpegel von 40 dB lassen das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten und psychische Erkrankungen signifikant steigen.

Die Antworten des Senates ergaben, dass weit mehr als 10.000 BürgerInnen Berlins nachts Lärm von mehr als 50 dB ausgesetzt sind. Tagsüber sind es sogar mehr als 15.000 Menschen, die mehr als 55 dB aushalten müssen. Erschreckend ist auch, dass über 10 Schulen und Kindergärten tagsüber beschallt werden. Was tut der Senat gegen den Lärm? Die Antwort lautet: nichts! Oder mit den Wortes des Senates ausgedrückt: „Auf Grundlage des Lärmaktionsplans 2008 wurden an der Stadtbahn bisher keine Maßnahmen zur Reduzierung der Immissionsbelastung durchgeführt.“ Der Senat sieht sich diesbezüglich auch nicht in der Pflicht und schiebt den schwarzen Peter an die Deutsche Bahn weiter, die für Schallschutz zuständig sei. Der Senat verfüge über keine Einwirkungsmöglichkeiten diesbezüglich. Generell ist der Wissensstand beim Thema Lärm auch noch deutlich ausbaufähig, die lange geplanten strategischen Lärmkarten Berlins sind noch nicht fertig, aber auch hier schiebt der Senat die Verantwortung ab: „Die Zuständigkeit für die Kartierung des Schienenlärms liegt aber beim Eisenbahnbundesamt, dem eine fristgemäße Fertigstellung der Karten bis Mitte 2012 nicht möglich war. Die ausstehende Aktualisierung ist zum Ende des Jahres 2014 angekündigt.“

Aus meiner Sicht verdeutlichen die Antworten des Senates, dass bei diesem Thema Handlungsbedarf besteht. Vor allem vor dem Hintergrund, dass Lärm auch ein soziales Problem ist und häufig BürgerInnen mit eher geringen Einkommen in Wohnungen ziehen, deren Miete durch die Lärmbelastungen niedriger ausfällt. Es kann und darf nicht in Kauf genommen werden, dass diese Menschen wegen ihres kleineren Geldbeutels gesundheitliche Beeinträchtigungen quasi in Kauf nehmen müssen.

Image by Michael Day, CC BY-NC 2.0

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