Warnschussarrest – Ziel mal wieder verfehlt!

Höre gerade von den neusten Plänen der schwarzgelben Koalition im Bund: Der Warnschussarrest. Jugendliche, die eine Bewährungsstrafe bekommen würden, sollen künftig bis zu vier Wochen „Probesitzen“. Purer Populismus. Da fällt mir ein Artikel ein, den ich letztes Jahr für den SPUNK geschrieben habe und den ich nun hier „recyclen“ möchte. Anscheinend wird es noch mindestens vier Jahre dauern, bis sich da was ändern kann. Hoffen wir also, dass die Länder schlauere Jugendstrafideen haben. Wie diese hier:

Leben in Freiheit in Freiheit erlernen

24.09.2008: Kein Mensch kommt als Krimineller auf die Welt. Vergangenes kann man sicherlich niemals ungeschehen machen, doch es ist möglich die Kurve der Gewalt, der Kriminalität und der Perspektivlosigkeit zu brechen. Wie das geht, zeigt ein seit 1973 bestehendes Maßnahmenzentrum in der Schweiz, das bis zu 46 Jugendlichen bei der Resozialisierung und der Bewältigung ihrer Strafe hilft. SPUNK Redakteurin Silke Gebel hat die wichtigsten Eckpunkte zusammengeührt.

Hoch oben in den Schweizer Bergen, 40 Minuten von Basel entfernt – was weit ist für ein Land wie die Schweiz – liegt ein sogenanntes Maßnahmenzentrum. Eins von vieren, die in der Schweiz eine Alternative zum Jugendstrafvollzug darstellen. Hier wohnen 46 Jugendstraftäter, die in Deutschland im Gefängnis sitzen würden. Sie leben hier ohne Fesseln, Gittern oder abgeschlossene Türen. Ein in Deutschland nach Hetzkampagnen im hessischen Landtagswahlkampf zynisch anmutendes Szenario: Junge Menschen, häufig mit Migrationshintergrund leben friedlich, auf eigenen Wunsch an einem Ort mitten in den idylischen schweizer Bergen, um ein besseres Leben zu führen und ihre Drogen- und Kriminellenkarrieren hinter sich zu lassen. Die Idee ist, dass die BewohnerInnen selbt erkennen wie wichtig der Aufenthalt für sie ist. In einem Stufenkonzept übernehmen sie schrittweise mehr Verantwortung und üben sich in sozialer Kompetenz. Es gibt die Möglichkeit eine Ausbildung zu machen, zu lernen wie man sein Leben mit Freizeit und den alltäglichen Schwierigkeiten strukturiert , ohne Drogen lebt und auf ehrliche Weise seinen Lebensunterhalt verdient. Die drei Bereiche „Psychotherapie“, „berufliche Ausbildung“ und „Sozialpädagogik“ sind zu diesem Zweck gut miteinander vernetzt. Mit seiner unglaublich niedrigen Rückfall- und Abbrechquote ist das Maßnahmenzentrum ein Vorbild für deutsche Jugendstrafanstalten. Die werden gerade nach Landesrecht reformiert. Auf sehr unterschiedliche Weise: In Hessen zu Zeiten der Kochregierung werden Elektrofesseln und Überwachungskameras als Reformlösungen angepriesen. Rheinland Pfalz als SPD-Land hingegen setzt auf Erziehung. So bleibt zu hoffen, dass das Schweizer Modell in Deutschland Schule macht. Denn 20-35 % Rückfallquote (bei 10-15 % Abrechquote) bei dem Schweizer Maßnahmenzentrum sprechen Bände im Gegensatz zu 75-85 % Rückfallquote in deutschen Jugendknästen. Allerdings ist die ungewöhnliche Methode nicht gerade günstig. Zwar kostet der Aufenthalt pro Jugendlicher für die vier Jahre 300.000 Euro, doch die Folgekosten, die nicht anfallen ebenso wie der menschliche Wert sind unaufwiegbar. Mehr Informationen gibt es unter www.baselland.ch/Arxhof.273833.0.html

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