Unternehmensbesuch AfB – social and green IT

Mit rund 15 Grünen, darunter die Landesvorsitzende Bettina Jarasch und der Schöneberger Abgeordnete Thomas Birk sowie einige Bezirksverordnete aus Tempelhof-Schöneberg, statteten wir der AfB-Social Green IT einen Besuch ab. Wir waren gespannt, denn versprach doch bereits der Unternehmensname zwei Leitlinien grüner (Wirtschafts)politik verinnerlicht zu haben: Nämlich Soziale und Ökologische Grundsätze beim Wirtschaften zu beachten.

Das Grundkonzept von AfB ist einfach: Ausgemusterte Hardware aus mittleren und großen Unternehmen sowie öffentlichen Verwaltungen werden von ihnen abgeholt, gelöscht (mit Datenschutzzertifikat) und wieder verkauft. Sie erhalten die Geräte quasi „kostenlos“, ihre „Bezahlung“ oder besser der Tauschwert ist der ebenfalls kostenlose Service der Entsorgung, die sie den Unternehmen oder Einrichtungen damit abnehmen. Mindestens alle drei bis fünf Jahre wird die Hardware in Unternehmen/Verwaltungen ausgetauscht. Ein späterer Austausch würde durch veraltete, langsamere, anfälligere Geräte Mehrkosten als eine Neuanschaffung verurachen. Das Green im Namen erklärt sich also wie folgt: Durch die Wiederaufbereitung der Endgeräte erhalten diese einen längern Produklebenszyklus, weniger neue Geräte müssen angeschafft werden. Da die nachhaltige Verschrottungsfrage von IT-Endgeräten noch lange nicht geklärt ist, unlängst in Stefan Baumgartners Film „Behind the Screen“ zu sehen, ein wichtiger Beitrag zu ressourcenschonender Wirtschaft. Die Elektro-Schrottfrage ist ohnehin ein Bereich, in dem sich Politik, Wirtschaft und Forschung längst überfällig an einen Tisch zur Lösungssuche setzen müssen. Apropops Schrott: Sofern notwendig (Manchmal sind unter den Unternehmensbeständen noch Drucker von annodazumal) übernimmt AfB auch die Verschrottung (allerdings an einem anderen Standort, (Noch) nicht in Berlin).

Das „Social“ im Namen lässt sich mehrfach erkennen: Das Unternehmen ist gemeinnützig, nach eigenen Angaben das erste und einzige IT-Systemhaus mit dieser Eigenschaft. JedeR MitarbeiterIn hat eigene Anteile am Unternehmen. Und rund 50% der Belegschaft haben eine Behinderung. Auch wenn diese Unternehmenseigenschaft bereits im Namen vorkommt (AfB = Arbeit für Menschen mit Behinderungen) und Gründer Paul Cvilak, der sich die Zeit für ein Gespräch mit uns genommen hat, mehrfach darauf zu sprechen kam, so war der Umgang damit für mich im Unternehmen eher Normalität denn Besonderheit. Was meiner Meinung nach der richtige Ansatz ist. Toll zu sehen, wie so was in der Praxis aussieht. AfB ist daher auch kein Integrationsunternehmen im klassischen Sinn.

Mein Fazit nach gut eineinhalb Stunden Unternehmensführung und Gespräch mit Paul Cvilak, Gründer und Chef von AfB, sowie dem Berliner Chef Klaus Bölling, ist fast durchweg positiv. Spannend zu sehen, was mit persönlichem Engagement und Vision eines Unternehmers entstehen kann. Der Ansatz der Abfallvermeidung und der Verlängerung des Produktlebenszyklus ist dabei ein urgrüner Ansatz. Unterstützung von Seiten der Politik will er gar nicht, das Konzept hat bisher auch so sehr gut funktioniert. Sicherlich ist bei Fragen wie klimaneutralem Unternehmen (Ökostrom, klima/umweltfreundliches Inventar etc.) oder Fragen der Mitarbeiterbeteiligung, Betriebsrat oder Frauenförderung noch Spielraum nach oben, aber Herr Cvilak geht Schritt für Schritt. AfB ist jetzt im achten Jahr, ich bin gespannt wie diese Reise noch weitergeht.

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