Und, hast du deinen Namen geändert?

Behalten wir unsere jeweiligen Namen? Was machen wir, wenn wir Kinder haben, wie heißt dann der Famlienname? Will ich anders als meine Kinder heißen? Will ich meinen Namen abgebeen? Will ich einen Doppelnamen annehmen?

Und je später wir heiraten, je vertrauter wir mit unserem Namen sind, desto schwerer fällt es uns, ihn abzugeben. Klar, es gibt auch die Leute, die einen Nachnamen haben, der ihnen schon in der Kindheit eher Schwierigkeiten als Freude bereitet hat. Aber beim Großteil sieht es anders aus. Die Namensfrage symbolisiert schließlich wie kaum etwas anderes (vielleicht noch die eheliche Versorgungsgemeinschaft), dass man nun vom Individuum zum Paar wird. Ich will jetzt gar nicht über diese Symbolfragen schreiben. Ich gehöre zu den Menschen, die davon überzeugt sind, dass man auch ein Paar, sogar ein verheiratetes, ohne gemeinsamen Namen sein kann. Nein, es geht mir um die Frage, wie Leute um einen rum mit der Namensfrage umgehen.

Also, mein Mann und ich haben beide unsere beiden Namen behalten. Warum auch nicht? Unabhängig davon, dass man sich an einen neuen Namen nach über 20 Jahren erstmal gewöhnen muss, das ganze Ummelden total nervig ist, stehen in einer digitalisierten Welt nicht nur Namensänderungen für das Briefpapier an: Geändert werden (sofern as überhaupt geht) sämtliche Profile bei Facebook, Twitter (oh nein, meine liebgewonnen Follower) und wie sie alle heißen. Außerdem braucht der Blog eine neue Domain (gibt es die überhaupt noch, schnell bei De-Nic nachschauen), meine Emailadresse müsste auch noch geändert werden und meine ganzen sonstigen Usernamen, in denen mein Nachname vorkommt, wäre irgendwie für den A… Gut, das ist ziemlich unromantisch, aber ich (und ich denke mein Mann auch) hängen an unserer (digitalen) Identität, die eben auch was mit dem Namen zu tun hat.

Kurz vorneweg: Ich möchte jetzt nicht falsch verstanden werden: Jede und jeder, der/die ihren Namen ändern möchte, fühle sich frei dies zu tun. Nur für mich war dies nie eine Option. Und ich dachte, ich hätte dies auch immer so kommuniziert. Aber, falsch gedacht…

Als, ich verheiratet war und die Glückwünsche kamen, passierte es doch einige, wenn nicht mehrere Male, dass mich Menschen – aus Verwandtschaft, Freundes- und Parteikreis – entweder direkt mit dem Namen meines Mannes ansprachen oder mich fragten, ob ich meinen Namen behalten hätte. Seltsamerweise ist das meinem Mann kein einziges Mal passiert. Und das, war es letzten Endes, was mich auf die Palme gebracht hat. Denn: Ich finde es ist vollkommen in Ordnung, dass man nach einer Eheschließung fragt, welche Entscheidung ein Paar in der Namensfrage getroffen hat. Wie oben ausgeführt ist dies eine der kompliziertesten Fragen, wenn man heiratet. Und es ist, so banal die Frage kling, äußerst delikat und kompliziert. Mit der Frage an sich habe ich kein Problem. Was ich nicht ok finde, ist die offensichtliche Grundannahme, dass ich, als Frau, bei einer Namensänderung, diejenige sein muss, die ihren Namen geändert hat. Ich habe mich dadurch ehrlich gesagt in meiner Gleichberechtigung eingeschränkt und diskriminiert gefühlt. (Und dabei meine ich explizit nicht Teile meiner Verwandtschaft, für die es zum eigenen Leben dazu gehört, dass die Frau ihren Namen ändert. Wie schon einen Absatz weiter oben gesagt, jede sei in ihrer Entscheidung frei den Namen ihres Mannes anzunehmen). Aber, dass selbst die Leute aus dem grünen Dunstkreis, in dem immer jedes kleinste Fitzelchen auf Gleichberechtigung gecheckt wird, noch nichtmal darüber nachgedacht wurde, dass man die Frage auch offen „Hat jemand von euch seinen Namen geändert?“ oder an den Mann gerichtet „Hat er seinen Namen geändert?“ formulieren könnte, hat mich erst wütend und dann nachdenklich gemacht.

Warum? Wütend, weil ich mich wie gesagt ungleich behandelt wurde. Nur aufgrund meines Geschlechtes wurde davon ausgegangen, dass ich mich dem tradierten Rollenbild unterwefe entspreche. Und klar, den Namen des anderen anzunehmen, hat nichts mit Unterwerfung oder Aufgabe der Emanzipation zu tun. (Ich kenne genug starke, emanzipierte Frauen, die das getan haben). Was mich wütend und nachdenklich macht, ist das offenbar tief sitzende Rollenverständnis bei einigen Leuten. Vielleicht denken einige, „Ach, wenn sie heiratet, dann ist es nicht weit mit der Emanzipation, dann gibt sie auch ihren Namen auf.“ (dazu könnte man jetzt Seitenweise schreiben, warum diese Annahme absurd und vorurteilsbehaftet gegenüber der Ehe ist, oder man lässt es einfach unkommentiert.) Aber ich denke, die meisten anderen sind gar nicht so weit gegangen, sondern gehen gedankenlos davon aus, sei es aus Erfahrungswerten aus der Umgebung –  es sind nun mal meistens die Frauen, die den Namen abgeben – oder aus tradiertem Rollenbildern heraus, dass ich als Frau dem auch entsprechen muss.

Es ist doch unfassbar wie tief solche geschlechterspezifischen Stereotypen oder – deutlicher fomuliert – Vorurteile in den Köpfen verankert sind. Das zeigt, dass es noch viel zu tun gibt, bei der Frage der Gleichstellung der Geschlechter. Heute ist es die Frage nach dem Nachnamen, morgen die Frage, wer auf die Kinder aufpasst und übermorgen wer seine Berufspläne zurückstellt. Das deutsche System erschwert auch gleichberechtigte Lösungen ungemein. Entgegen dem Common Law (Großbrittanien, USA etc.), wo man sich als Paar einen neuen, gemeinsamen Namen aussuchen kann (hach, wäre das ein Traum gewesen), muss man sich entscheiden. Klar, es ist nicht so unfassbar wie in Österreiche, wo nach § 93 ABGB gilt: „Ehegatten führen den gleichen Familiennamen. Dieser ist der Familienname eines der Ehegatten, den die Verlobten vor oder bei der Eheschließung als gemeinsamen Familiennamen bestimmt haben. Fehlt eine solche Bestimmung, wird der Familienname des Mannes gemeinsamer Familienname.“ Aber es ist gleichwohl eine systemische Erschwerniss einen individuellen, gleichberechtigten Weg des gemeinsamen Lebens zu finden. Und es hört ja beim Namen nicht auf, es geht beim Ehegattensplitting, bei der Lohnungerechtigkeit und beim jetzt neu in Kraft getreteten Betreuungsgeld weiter. Es ist noch ein langer Weg, der in den Köpfen und im System für eine komplett gleichberechtigte Gesellschaft gegangen werden muss. Auf geht’s meine Damen, meine Herren. Auf geht’s!

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