Trinkwasser gefährdet: Sulfatbelastung steigt vor allem durch aktive Braunkohletagebaue

Die Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, im Brandenburger Landtag und im Bundestag erklären zu einem Gutachten, das die Braunkohletagebaue als Hauptursache für den steigenden Sulfatgehalt in der Spree bestätigt:

Ein neues Gutachten der Berliner Umweltbehörden unterstreicht den Einfluss
und die Verantwortung der aktiven Tagebaue auf die zunehmende Sulfatbelastung der Spree (siehe Anhang; S. 82). Das Gutachten bestätigt, dass der „Braunkohlenbergbau in der Lausitz beträchtliche Sulfateinträge in die Spree verursacht“ (s. S. 8, Punkt 25). Konkret hat sich die Sulfatkonzentration in den Grubenwasserbehandlungsanlagen des aktiven Braunkohlebergbaus in den vergangenen Jahren um über ein Drittel erhöht.
Der Sulfat-Zielwert in der Spree am Wasserwerk Briesen im Jahr 2014 wurde mit einer Häufigkeit von 57 Prozent überschritten (s. S. 7, Punkt 21).

Damit bekräftigen auch die Berliner Umweltbehörden jüngere Studien der bundeseigenen Lausitzer- und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), welche den Einfluss der Bergbausanierung und des aktiven Tagebaus auf die Wasserqualität der Spree untersuchten. Es widerlegt aber vor allem die
frühere Annahme, dass sich nach der Belastungsspitze langfristig eine Senkung der Sulfatbelastung einstellen würde. Die Sulfatbelastung der Spree belastet zunehmend die Trinkwasserversorger in Berlin und Brandenburg. Bestes Beispiel ist die Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft mbH (FWA), die
immer mehr Grundwasser beimischen muss, um die Sulfatbelastung innerhalb der Grenzwerte zu halten. Doch auch die Grundwasserreserven sind fast ausgeschöpft.

Silke Gebel, umweltpolitische Sprecherin der Berliner Grünen im
Abgeordnetenhaus:

„Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller muss den Druck auf Brandenburg erhöhen, damit seine Parteifreunde Woidke und Gerber endlich Vattenfall verbindliche Maßnahmen zur Reduzierung der Sulfatfrachten direkt an den Tagebauen anordnet. In den wasserrechtlichen Genehmigungen für die
Lausitzer Tagebaue ist explizit festgeschrieben, dass das Land Brandenburg – wenn die Zielwerte überschritten werden – dem Bergbaubetreiber zu einer Reduzierung verpflichten kann. Auch muss man endlich an die Ursachen ran. Es ist absolut unverständlich, warum Müller sich nicht – wie vom
Abgeordnetenhaus per einstimmigen Beschluss aufgefordert – bei der gemeinsamen Landesplanungskonferenz mit Brandenburg im September für eine kritische Überprüfung neuer Tagebaue eingesetzt hat. Müller darf nicht zulassen, dass die Berliner die Zeche zahlen für den Braunkohleabbau in Brandenburg zahlen. Über die gemeinsame Landesplanung kann das Land Berlin Einfluss auf Tagebauplanungen nehmen.“

Heide Schinowsky, energiepolitische Sprecherin der Grünen im Brandenburger
Landtag:

„Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen hat es die brandenburgische Landesregierung nun schwarz auf weiß: Der Braunkohletagebau führt zu einer massiven Belastung von Spree und anderen Gewässern mit dem Schwefelsalz Sulfat. Sie darf vor diesen Problemen nicht länger die Augen verschließen und sich im Kompetenzwirrwarr zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium verheddern. Notwendig sind nun zunächst verbindliche und gesundheitsverträgliche Grenzwerte für die Einleitung des beim Braunkohletagebau anfallenden Grubenwassers. Die Menschen in Brandenburg haben ein Anrecht auf politische Klarheit und gesundes Trinkwasser.“

Annalena Baerbock, klimapolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag:

„Braunkohle gefährdet Klima und Gesundheit. Wieder unterstreicht ein Gutachten die Umweltschäden der schmutzigen Kohleförderung. Klar ist: Die jüngsten Ergebnisse widersprechen der Genehmigung für neue Tagebaue. Welzow-Süd II muss ad acta gelegt werden. Vattenfall, die bundeseigene LMBV und Brandenburg müssen endlich ihre Verantwortung wahrnehmen und die Trinkwasserversorger unterstützen. Wir können nicht warten, bis die Grenzwerte überschritten sind. Der Anstieg der Sulfatkonzentration wird sich
über Jahre fortführen, daher braucht es endlich klare Regeln bei den Braunkohlefolgen. Die Verursacher der Umweltschäden müssen sich verbindlich an ihrer Bewältigung beteiligen.“


Image by myhd (CC BY-NC-ND 2.0)

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