Sammelt Glas!

Glas ist kein Müll sondern Rohstoff. Im genaueren wird das Verpackungsglas auch über die zugehörige Verordnung geregelt. Deshalb ist für das Einsammeln und Wiederverwerten das Duale System zuständig. Auf Druck des Dualen Systems wurde nun die Berliner Glas-Haustonnen-Sammlung zurückgedrängt. Ein falscher Weg, wenn es darum geht viel und gutes Glas zu sammeln.

Meine Damen, meine Herren,

sehr geehrter Herr Präsident,

Lauter Flaschen so weit das Auge reicht. Dieser Anblick bot sich den Menschen in den drei Bezirken Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Treptow-Köpenick, als sie an Weihnachten und Silvester ihr Altglas entsorgen wollten. Denn zwischen den Jahren wurden im Osten der Stadt über 7500 Hinterhoftonnen abgezogen. Ein Schildbürgerstreich möchte man meinen. Ein seit über 20 Jahren etabliertes System dann abzuschaffen, wenn besonders viel Glas anfällt und dann noch nicht mal über Gründe und Alternativen zu informieren, da ist das Chaos doch vorprogrammiert. So ein Chaos konterkariert unseren Anspruch Trenntstadt zu sein. Das kann nicht sein!

Sehr geehrte Damen und Herren,

Nach diesem ganzen Chaos um den Jahreswechsel stehen wir jetzt erstmal vor einem Scherbenhaufen. Und niemand wills gewesen sein. Wir hören jetzt eine Rederunde, wo sich alle Fraktionen einig sind, dass das Berliner Modell – also die Hinterhoftonne der richtige Weg für Berlin ist. Da frage ich mich: Warum wurden in Marzahn-Hellersdorf, in Lichtenberg, in Treptow-Köpenick die abgezogenen Tonnen nicht wieder aufgestellt? Gibt es ein Tonnen-Abzugs-Moratorium für die anderen Bezirke? Als nächstes schwebt über den Hinterhoftonnen in Spandau, Stelgitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf das Damokles-Schwert. Herr Müller, Herr Gaebler, Bekennen Sie sich zum Berliner Modell? Dann lassen Sie dem auch Taten folgen!

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ja, Wir haben in Berlin ein Problem mit der Menge und der Qualität beim Glas. Beides sollte in einer Arbeitsgruppe Glas seit fast zwei Jahren beim Senat besprochen werden. Das Ergebnis war ohne Vorankündigung in Tausenden Häusern die Weißglas- und Buntglastonnen abzuräumen, teilweise sogar ohne Ersatz durch Iglus im öffentlichen Straßenland. Und sich dann Senatsseitig zu wundern, dass es einen Aufschrei bei den BerlinerInnen gibt. Was jetzt mit den Glastonnen passiert ist, ist ein Paradebeispiel dafür, wie man Akzeptanz und Vertrauen bei den Menschen verspielt. Dabei ist das DIE Basis, um mehr und besser zu sammeln. Die Glasindustrie hat uns gestern im Ausschuss um jede weitere Tonne Glas gebeten. Mit dem aktuellen Systemwechsel geht da unnötig Rohstoff verloren. Das kann man jetzt schon beobachten. Die Leute stellen die Flaschen dorthin, wo früher die Tonne war. Die Flaschen landen in der Wertstofftonne und erschweren die Trennung. Oder sie landen im Restmüll und die Betriebskosten steigen. Wenn weniger Glas gesammelt wird, ist das schlecht für die Umwelt und schlecht für des Berliners Geldbeutel. Da waren wir doch schon einen Schritt weiter.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Und ja, wir müssen die Rückmeldungen der Glasindustrie ernst nehmen. Es macht keinen Sinn zu sammeln, um des Sammelns Willen. Es ist glasklar, die Qualität des gesammelten Glases in Berlin muss besser werden. Das ist auch nicht erst seit gestern bekannt, wie jetzt hier gerne getan wird.

Ein Problem sind die Fehlwürfe durch Keramik. Aber Herr Gaebler, deshalb müssen Sie sich nicht gleich wie ein Elefant im Porzellanladen aufführen und das bewährte System zerdeppern! Es gibt bei der Glassammlung viele Stellschrauben, vom Bürger, der zu Hause trennt, über die Abholung der Tonnen, dem Transport und dem Umschlagplatz. Bei Transport oder Umschlagplatz kann man beispielsweise drehen, ohne gleich das bewährte Berliner Modell komplett in Frage zu stellen! Und ja, es ist mehr als kompliziert, hier eine Lösung zu finden, mit der man Menge und Qualität verbessert. Genau diese Fragestellung hätte ich mir im Arbeitskreis Glas des Senates gewünscht. Dass sich jetzt aber das Duales System durchsetzen konnte, an der Drehschraube Hinterhoftonne zu drehen, ist wohl darauf zurückzuführen, dass der Senat das Thema verpennt hat.

Meine Damen und Herren,

Es gibt große Baustellen beim Glassammeln in Berlin. Wir müssen die Qualität verbessern. Wir müssen die gesammelte Menge steigern. Das können wir MIT dem Berliner Modell schaffen. Dafür brauchen wir keine Schnellschüße á la Senat und Duales System. Da ist es wichtig gemeinsam nach alternativen Lösungen zu suchen. In diesem Sinne freue ich mich, wenn mal alle Fraktionen für besseren Umweltschutz an einem Strang ziehen.

Image by  Georg Kroemer (CC BY-NC-ND 2.0)

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