Rede zur FamilienzeitPLUS

Auf unserem Bundesparteitag am vergangenen Wochenende habe ich mich auch in eine – mir beruflich fachfremde, aber persönlich doch nahe – Debatte eingemischt. Es ging um ein Modell, was Franziska Brantner, Katja Dörner, Gesine Agena und Bettina Jarasch entwickelt haben, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass Familie Zeit braucht. Das Modell heisst FamilienzeitPLUS und sieht vor, dass es pro Kind 3*8 Monate Elterngeld/Elternzeit gibt, die bis zum 14 Lebensjahr genommen werden kann und die auch mit Teilzeitarbeit kombinierbar ist.

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Liebe Freundinnen und Freunde,

Seit ich Kinder habe, vergeht meine Zeit schneller und langsamer zugleich. Auch wenn ich vorher schon zu kurze Tage hatte, sind heute die 24 Stunden immer zu wenig. Zu viel Arbeit im Parlament, zu viel Dinge, die ich mit den Kindern erleben möchte, zu viel Schnupfen und Kotzerittis, wenn meine Anträge im Ausschuss sind. Viele von euch kennen das, es kommt immer alles auf einmal.

Liebe Freundinnen und Freunde,

das Elterngeld war für meine Generation ein wichtiges Signal der Gleichberechtigung. Denn es hat eine Antwort versucht auf das größte Gleichstellungshinderniss unserer Zeit, die Familiengründung von Frauen. Ich gehöre zu der Generation, die Kinder mit dem Elterngeld bekommen hat. 5 Jahre nachdem Ursula von der Leyen das Erziehungsgeld durch das Elterngeld ersetzt hat, kam mein Sohn zur Welt. Für mich und für viele meiner Generation hat die Diskussion 2007 um das Elterngeld vor allem zwei Dinge ausgelöst. 1. Traut euch, Kinder zu bekommen! Es gibt einen gesetzlichen Rahmen auf das Recht Elternzeit zu nehmen und wieder in dern Beruf einzusteigen, der Staat unterstützt Arbeitgeber und Arbeitnehmer dabei. 2. Väter traut euch Elternzeit zu nehmen! Selbst durch die zwei Monate, die nur der Väter nehmen kann, sind mehr Männer mit Erziehungsarbeit in Berührung gekommen als zuvor.

Erst später ist mir klar geworden, was das Elterngeld nicht macht. Es ignoriert, dass Kinder auch über das erste Lebensjahr noch da sind und Zeit brauchen. Es ignoriert, dass Familien vielleicht auch zwei oder mehr Kinder bekommen. Und es ignoriert, dass dann in der Regel, die Mutter zwei Jobs hat, einen in der Erwerbsarbeit und einen in der Familie. Hier was zu ändern, was an die Realität anzupassen, das ist unsere Aufgabe als Politik, für mehr Selbstbestimmung und Gleichberechtigung.

Liebe Freundinnen und Freunde,

Ich bin deshalb für den jetzigen Vorschlag vom Bundesvorstand dankbar. Ich bin den Fachpolitikerinnen dankbar, die mit dem jetzigen Vorschlag sich weiter an die Realität junger Familien rantrauen. Meint man die Eingewöhnungszeit in die Kita, die Einschulungszeit oder Umzüge ernst, gibt der jetzige Vorschlag zur Familienzeit Plus eine Möglichkeit, sich die Zeit zu nehmen, um diese großen Wechsel im Leben des Kindes, und auch der Eltern, intensiv zu begleiten. Dies begleiten zu können, ohne den Jahresurlaub auf einmal zu nehmen oder auf die Großeltern angewiesen zu sein.

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