Rede im Plenum zu „1000 Grüne Dächer für unsere Stadt“

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sehr geehrte Frau Präsidentin,

Guten Tag Herr Geisel,

Haben Sie sich schon mal Berlin auf Satellitenbildern angeschaut? Auf privaten Gebäuden, am Hackeschen Markt, im Gewerbegebiet Adlershof oder der freien Waldorfschule Kreuzberg grünt es vortrefflich.

Guckt man auf das Rote Rathaus, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt oder auch unser Abgeordnetenhaus – so sieht man nur Grau. Kein Gründach, kein Dachgarten. Die öffentlichen Gebäude in Berlin sind kein Vorbild, wenn es um Dachbegrünung geht. Die Morgenpost hat das Grün der ganzen Stadt ausgewertet, unsere Stadt kommt auf Platz 63, von 79. Das ist bundesweit noch nicht mal mehr solides Mittelfeld.

Und ich habe mit Freude in der selben Zeitung gelesen, dass sich Herr Evers von der CDU unserer Idee für mehr Dachgrün angeschlossen hat. Die Photoshopmontage mit unseren 1000 Grünen Dächern sah echt super aus. Das war glaube ich ein großer Schritt nach vorne für Sie. Bis dahinwollten Sie unseren Gründachantrag ja am liebsten im Ausschuss versenken.

Was Sie nach zigmaligem Vertagen zum Einlenken gebracht hat, unser Berichtsauftrag nach §27 der GO, die Bürgerbriefe für mehr Gründächer oder die Wahl in vier Monaten, ist mir ehrlich gesagt gleich.

Wichtig ist, dass hier fünf Fraktionen sitzen, die sich unserem Ziel mehr Dachbegrünung in Berlin zu schaffen, angeschlossen haben. Das ist gut für unsere Stadt.

Meine Damen und Herren,

Denn gerade in einer wachsenden Stadt wie Berlin ist die Devise „Grün statt Grau“ wichtig. Drei inhaltliche Argumente fürs Gründach:

1. Wir alle haben die Sonnenstunden der letzten Tage genossen. Für viele Menschen bedeutet so eine Hitzewelle aber einfach Stress. Berlin ist im Sonnenschein eine Hitzeinsel, in den extrem versiegelten Gegenden bis zu 10 Grad heißer als das Umland.Wenn Sie ein angenehmes, lebenswertes Stadtklima wollen, brauchen Sie mehr Grün statt Grau, und Gründächer leisten einen wichtigen Beitrag.

2. Der Klimawandel bringt nicht nur extreme Sonne, sondern auch extremen Regen. Die Folge ist, dass unsere Kanalisation bis zu 50 mal im Jahr mit Fäkalien, Duschwasser und co in die Spree fließt. Kein Wunder, dass man hier nicht baden kann. Unser Vorschlag ist so einfach wie komplex: Die Häuser in der Stadt müssen den Regen wie ein Schwamm aufzunehmen und nach und nach wieder abgeben. Dazu gibt es viel Wissen in dieser Stadt – von der Technischen Uni bis zu den Experten der Wasserwirtschaft – was man einfach nur umsetzen muss. Und das Gründach ist ein wichtiger Baustein.

3. Mehr Gründächer nebeneinander bilden auch einen Biotopverbund, der die Artenvielfalt in unserer Stadt stärkt. Der Lebensraum für Pflanzen und Tiere wächst. Gleichzeitig schafft man Freiräume und Erholungsräume für Nachbarn und Anwohner*innen. Unsere Idee ist Räume für Roof Gardening und Erholung auf mindestens 20 % der Gründächer zu schaffen. Wenn die Stadt auch in der Luft grün wächst, gewinnen alle an positivem Lebensgefühl.

Meine Damen und Herren,

Für uns geht es darum, wie Berlins graue Dächer endlich grün werden. Wir haben uns andere Städte wie München, Hamburg oder Bremen angeschaut, die sehr viel Dachbegrünung haben. Wir haben mit den Umweltverbänden gesprochen. Wir haben uns mit den Fachleuten für Gründächer hingesetzt und mit Gebäudebesitzern geredet. Und eine Sache kam immer wieder: Nur mit einem Förderprogramm wird man den Gebäudebestand begrünen können. Unser Programm heißt „1000 Grüne Dächer für Berlin“ und sieht eine Anschubfinanzierung für Gebäude im Bestand vor. Das haben wir vor über einem Jahr vorgelegt.

Und, Ja, ein Gründach ist ein Vieleskönner – aber kein Alleskönner. Wir wollen Zielzahlen, um eine breite Begrünung mit dem positivsten Effekt zu schaffen. Und viele Dinge, die Sie in Ihrem Prüfauftrags-Antrag vorlegen, der heute dringlich ins Plenum gekommen ist, sind in unserer Gründachstrategie bereits enthalten. Was aber gar nicht geht, ist Ihr Vorschlag, dass Gründächer als Ausgleichsmaßnahme für Bautätigkeiten geltend gemacht werden. Ein gefällter Baum am Boden ist nicht durch ein Moosdach im 5. Stock zu ersetzen. Das Gründach ist wichtig, aber es darf nicht zum Feigenblatt werden. Deshalb werden wir Ihrem Antrag nicht zustimmen können.

Meine Damen und Herren,

Die Berliner Bilanz beim Dachgrün fällt mager aus. Wir Grüne haben ein Konzept vorgelegt, Sie haben in Ihrem Antrag, der eilig eingebracht wurde, die Hälfte kopiert und den wichtigsten Teil ein Förderprogramm und die Zielzahlen weggelassen. Der Weg zu mehr Grün statt Grau ist also noch weit. Vielleicht erleben wir alle es noch, dass das Rote Rathaus, dass das Abgeordnetenhaus oder die Senatsverwaltung für Umwelt ein grünes Dach bekommentDann gäbe es immerhin 9 öffentliche Gebäude mit Gründach… Gut fürs Stadtklima wäre es allemal.

Teile diesen Inhalt:

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld