Rede „Grundwassermanagement: Grünwasserstrategie für Berlin“

Am Donnerstag, dem 09.06.2016, brachte die Koalition einen Antrag zum Grundwassermanagement ein. Hier ist meine Plenarrede – ohne die Zwischenfragen, die mir gestellt wurde.

———–

Sehr geehrte Damen und Herren,

Berlin ist auf eine Flussaue und alte Sumpfgebiete gebaut, wir haben hier von Hause aus hohe Grundwasserstände. Als Berlin noch eine Industriestadt war, wurde viel Grundwasser von vielen Unternehmen dezentral gefördert, das Grundwasser verlief also viel tiefer im Boden als heute. Die Folge war ein Bauboom auf ehemals nassen Böden und ein Trockenfallen der Moore und Wälder Berlins. Heute verläuft das Grundwasser näher an der natürlichen Grenze, die Wälder und Moore erholen sich langsam, gleichzeitig gibt es Gebäude, deren Keller dadurch vernässt werden. Für den Einzelnen oftmals eine Katastrophe, wieviele Leute genau betroffen sind, weiß aber niemand genau. Es gibt sogar Fälle wo Nachbar A das Wasser im Keller hat und Nachbar B nicht.

Klar ist, es gibt hier ein Problem, wo auch wir als Politik gefragt sind, um Lösungen zu finden. Deshalb reden wir heute über das Thema Grundwassermanagement in Berlin. Ich möchte zuallerst festhalten, dass ich es sehr begrüße, dass es Konsens in diesem Haus ist, dass das flächendeckende Absenken von Grundwasser vom Tisch ist. Diese Maßnahme ist nicht nur ökologischer Irrsinn sondern ungerecht für all denjenigen, die die Ewigkeitskosten in Millionenhöhe pro Jahr mitzahlen müssen ohne etwas davon zu haben. Wir als grüne Fraktion finden es gut, dass wir endlich über viele dezentrale Lösungen reden. Denn es ist klar, die betroffenen Hausbesitzer dürfen mit dem Problem, was oftmals den Gebäudewert übersteigt nicht alleingelassen werden. Wichtig ist uns auch in dieser ganzen Debatte: Unser Grundwasser ist kein Problem, sondern ein schützenswertes Gut, aus dem wir letzten Endes unser kostbares Trinkwasser gewinnen.

Der Koalitionsantrag mit dem Thema Grundwassermanagement zu tun hat, kommt da jetzt aus heiterem Himmel. Denn er schließt überhaupt nicht an unsere Ausschussdebatte oder die Expertendiskussion bei der IHK oder die Empfehlungen des Runden Tisch Grundwasser an. Er ist auch ziemlich missverständlich, ich habe mir mal versucht einen Reim zu machen und sehe da zwei Interpretationsmöglichkeiten:

Erstens: Sie wollen teures Trinkwasser aus Grundwasser und Uferfiltrat verbilligt zum Rasensprengen und Stadtbaumgießen abgeben. Obwohl wir mit dem Sulfat im Süden und Medikamentenrückständen im Norden jetzt schon Probleme bei der Trinkwassergewinnung haben??? Und das, obwohl der Effekt auf vernässte Keller minimal bis nicht vorhanden wäre, also der Grundwasserstand im Blumenviertel oder in Spandau nicht relevant sinken würde. Das macht also – freundlich ausgedrückt – keinen Sinn.

Führt mich zu der anderen Interpretationsmöglichkeit: Sie wollen lokal Grundwasser fördern, um ausgetrocknete Grünanlagen zu bewässern. Da ja im Gebiet mit hohem Grundwasser die Bäume sehr gut mit Wasser versorgt sind, muss man das Wasser mit Tankwagen in den Grunewald oder sonst wo hinfahren. Zusätzlich muss man dieses Wasser vor der Nutzung erst aufbereiten und vom Mangan und Eisen befreien, sonst haben Sie Verhältnisse wie im verockerten Spreewald. Da bin ich mal auf ihre Kosten- und Energiebilanz gespannt.

Wir haben uns dazu bei Hydrologen umgehört, uns wurde diese Idee immer als „verantwortungsloser Unsinn“ benannt. Ich hoffe, wir haben noch die Gelegenheit im Fachausschuss – denn da gehört die Diskussion hin – über Ihr Anliegen zu sprechen.

Deshalb mein dringender Appell an die Koalition, lesen Sie bitte bis zum nächsten Ausschuss nochmal das Wortprotokoll von unserer Grundwasseranhörung. Da finden Sie gute Ideen für weitere Schritte: Ein Vernässungkataster, also eine Bestandsaufnahme, hat Herr Freymark da selber vorgeschlagen, Vertikale Gärten, die in die Gebäude integriert werden wie den Bosco Verticale in Mailand, hat Herr Buchholz vorgeschlagen Oder die Wiedernutzung alter Drainagen, wie es auch die Linke im Antrag im kommenden Ausschuss fordert. All das wäre genug Futter für ein Pilotprojekt, wäre schon diskutiert und wäre für die betroffenen Anwohner eine Erleichterung. Vielleicht denken Sie da nochmal um.

Teile diesen Inhalt:

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld