Ortstermin: Spreeverockerung

In den letzten Tagen habe ich zwei größere Ausflüge gemacht, um mich mit dem Thema Spreeverockerung bzw. Sulfateinträge in die Spree tiefer zu befassen. Meine erste Reise hat mich nach Vetschau geführt, hier gab es ein Vernetzungstreffen mit Bündnisgrünen aus Brandenburg und Sachsen sowie AktivistInnen vor Ort, um sich gegenseitig auf den neusten Stand zu bringen und politischen Handlungsbedarf in den jeweiligen Ländern zu formulieren. Der zweite Termin fand in Köpenick im alten Wasserwerk im Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei statt. Hier hatten wir die Gelegenheit, Informationen zum Sulfateintrag in der Spree sowie Ausleitungsmöglichkeiten zu sammeln und etliche Fragen zu stellen.

Mein Zwischenfazit, nach diesen beiden spannenden Ortsterminen, der Antwort von Senator Müller auf meine mündlichen Fragen sowie der Beantwortung von Turgut Altugs Fragen: Für uns in Berlin ist die Frage des Sulfateintrags in die Spree, der nicht nur durch den Lausitzer Tagebau, sondern auch durch Niedermoore, Nitrateinflüsse oder Bauschutt, erfolgt, die entscheidende. Der Eintrag des Eisenhydroxids fällt bereits vorher aus und gelangt nicht bis nach Berlin. Dennoch ist die Sulfatfrage durch chemische Reaktionen eng mit der Frage des Eisenhyroxids in der Spree verbunden und muss im Idealfall direkt vor Ort ausgeleitet werden. Dies muss dann in Brandenburg bzw Sachsen erfolgen. Dazu gibt es erste Ideen, aber noch keine langjährig erprobten Best-Practice-Beispiele.

Die Sulfateinträge haben dreierlei Folgen:

Erstens: Sulfat in der Spree beeinträchtigt die Trinkwasserqualität. Ab 250 mg/l darf das Wasser nicht mehr verwendet werden. Bereits heute ist das Jahresmittel im Wasserwerk Friedrichshagen bei 144,7 mg/l.

Zweitens: Sulfat in der Spree greift bestimmte Betonsorten an. Davon wären Brücken, Kanalbauten oder andere im Wasser gebaute Anlagen betroffen. Schon ab Grenzwerten ab 200–600 mg/l gibt es eine schwach angreifende Betonaggressivität.

Drittens: Sulfat ist für eine Eutrophierung des Wassers mittelbar verantwortlich. Indem es mit Fe(III)Hydroxid zu Pyrit reagiert, löst es aus dem Sediment das dort anhängende Phosphor heraus. Diese Re-Eutrophierung ist eine Verschlechterung der Gewässerqualität, die der EU-Wasserrahmenrichtlinie wiederspricht.

All diese Punkte werden in Berlin mittel- bis langfristig relevant, wenn sich nichts an den Einträgen durch den alten Tagebau (und zukünftig auch die neuen) ändert. Es ist also jetzt der Zeitpunkt, wo es gilt zu handeln. Also, Energiewende hin zu Erneuerbaren und Wasserreinigung direkt vor Ort. Den ersten Schritt kann auch Berlin eigenständig gehen. Denn aus dem aktuellen Lausitzer Tagebau wird auch Energie in Berlin verbraucht.

Image by Silke Gebel, MdA (CC BY-NC-ND 2.0)

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