Neue Wege gehen

Wirtschaftspolitik im Bezirk ohne Geld. Ein schwieriges Unterfangen, noch dazu in Berlins heterogensten Bezirk Berlin Mitte. Von Moabit bis Altmitte, von Wedding bis Tiergarten, die Mitte Berlins vereint alles, was Berlin ausmacht, an Schönheit und an Schwierigkeit. Gemeinsam mit unserem Landesschatzmeister Marc Urbatsch habe ich nach dem Zukunftsforum „Mitte gestalten“ für die Mitgliederzeitung des KVs „Grüne Aussichten“ die wichtigsten Überlegungen aus der Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft des bündnisgrünen Kreisverbandes hier skizziert.

Zum einen unterscheidet sich die Wirtschaftsstruktur der unterschiedlichen Kieze stärker als zum Beispiel in Friedrichshain-Kreuzberg zum anderen sind selbst brancheninterne Unterschiede von Kiez zu Kiez zu sehen: Der Einzelhändler am Rosenthaler Platz hat ganz andere Probleme und Chancen als die Kioskbesitzerin an der Pankstraße oder der Spätkauf an der Turmstraße. Erster Lösungsansatz hier ist Dezentralität und Hilfe zur Selbsthilfe. Zum anderen ist es eine stark vom Einzelhandel geprägte Wirtschaftsstruktur, die stark vom Publikumsverkehr und damit vom Kiez abhängig ist. Frage dabei ist stets: Wie erreicht man, dabei gerade die kleinen und mittleren UnternehmerInnen, und /oder die Selbstständigen im Bezirk? Immer im Hinterkopf, Geld ist knapp, das Bezirksamt hat bereits eine Stelle mit zwei Mitarbeitern zur Wirtschaftsförderung eingerichtet, auf der zuständigen Unterseite des Bezirks sind einige Hinweise zur Wirtschaftsförderung zu finden. Doch die Masse des Angebots erschwert das Finden, oftmals sind Probleme im Unternehmen als solche gar nicht bekannt. Eine dezentrale teure, weil personalintensive Betreuung von Start Ups und Unternehmen in der Schieflage (von Innovationsweitergabe ganz zu schweigen) ist für den Bezirk nicht finanzierbar. Umso wichtiger ist die Bildung von Netzwerken wie dem Unternehmernetzwerk Moabit oder anderen branchenspezifischen Wirtschaftszusammenkünften wie dem „betahaus“ in Kreuzberg, aber auch die Erneuerung und Öffnung der IHK für alte wie neue Unternehmen. Bislang gibt es kein Frühwarnsystem, kein organisierter kollektiver Austausch, keine Vernetzung in dem Sinne, dass Informationen zu Noch-Nicht-Informierten An dieser Stelle kommt das Finanzamt als ein Baustein ins Spiel: Als einziger Akteur hat es jährlich gesicherten Zugang zu allen Unternehmerinnen und Unternehmern Berlins. Eigentlich die Instanz, um Informationen und Angebote zu verteilen. Gerade bei frisch gegründeten Unternehmen könnte das Finanzamt weitere Unterstützung bzw. frühzeitige Hilfe bei Insolvenzgefahr anbieten. Eine der Fragestellungen des Workshops auf dem „Zukunftsforum – Mitte gestalten“ mit unter anderem dem Leiter des Finanzamtes für Körperschaften III Jens Panthen war, ob und wie sich das Wissen den die Knotenposition des Finanzamtes auf einer abstrakten Ebene für Berliner Unternehmen fruchtbar machen ließe.

Teile diesen Inhalt:

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld