Meine 5-Cent zur Touri-Debatte

Als Anwohnerin eines touristischen „Hotspots“ habe ich mir schon öfters die Frage gestellt: Wie wäre dein Kiez – deine Hood – wenn hier nur Leute wären, die hier wohnen? Ehrlich gesagt nicht zwangsläufig sauberer, ruhiger und schöner. Ich lebe am Rosenthaler Platz, weil ich diesen Schmelztiegel der unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Sprachen liebe. Ohne Besuch aus der ganzen Welt (und aus ganz Berlin), sähe das ziemlich lame aus.

Wie gesagt: Ich wohne am Rosenthaler Platz, im Sommer kann man sich nach vorneraus kaum bei gekippten Fenstern unterhalten geschweige denn Fernsehen. Das liegt aber nicht zwangsläufig an „den“ Touristen, sondern an der Straßenbahn, den Autos, den zunehmenden Motoradfahrern, dem Zuliefererverkehr (aka LKWs) und ja auch den Leuten, die feiern und das in manchen Bars und Cafés auf der Straße machen. Da sitzen aber viele Leute von überall her. Aus Friedrichshain-Kreuzberg oder Steglitz-Zehlendorf, aus dem Kiez und wahrscheinlich auch mal aus Barcelona. Und wer mir des Nachtens in den Hausflut pisst, während er (bewusst NICHT gegendert), kann mit dem Nachtbus in den Wedding fahren wollen oder auf dem Weg ins benachbarte Hostel nicht mehr einhalten können. Es ist mir auch egal, woher die Leute kommen, die sich hier bei mir im Kiez vergnügen.

Es gibt überall Leute, die sich nicht an ein nettes Miteinander halten. Unverschämtheit und Beklopptheit muss nicht zwangsläufig zugereist sein. Wenn ich an den Fahrradweg denke, der vor der Bäckereikette im Weinbergsweg über den Fussgängerweg führt, stellt sich mir schon die Frage, was sich a) die StadtplanerInnen dabei gedacht haben und b) sich die FahrradfahrerInnen, die den Berg runterpesen in ihrem Geschwindigkeitswahn denken. Mit Kind kann man da nicht einfach so herumspazieren, selbst ich bin schon mehrfach fast überfahren worden. In einer Stadt wie Berlin und einem dichtbesiedelten und starkbesuchten Kiez wie Mitte muss jeder und jede Kompromisse machen. Die berechtigte Frage ist sicherlich, wann die Grenze der Kompromissmacherei überschritten ist. Für mich ist sie das noch nicht. Aber ganz im Ernstbei 4 Mio EinwohnerInnen werden nicht nur „die“ Touristen für Unfug, Scherben und Pipi sorgen.

(Und ein PS zu den Rollkoffern: Ich war neulich fürchterlich laut mit meinem Rollkoffer, eine Rolle war kaputt, Rucksack geht wegen Schwangerschaft nicht. Trotzdem blieb ein schräges Gefühl des Unwohlseins ob der ganzen Rollkofferdiskussion und Flüsterrollen schon. Dabei ist mir aufgefallen: Die „Partytouristen“ haben so gut wie nie Rollkoffer, sondern kommen mit Backpacker-Rucksäcken. Und: als mein Koffer mal 1 Meter neben mir gezogen wurde, hörte man so gut wie nichts mehr, da der ganze Verkehrs- und Baustellemlärm wesentlich lauter waren. Da war mein Gefühl des Unwohlseins wieder weg – ich bin doch nicht bekloppt. 😉

Image by Borja Iza (CC BY-NC 2.0)

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