Mehr Kohle für ein besseres Klima?

Gemeinsam mit Annalena Baerbock, unserer Sprecherin für Klimapolitik im Bundestag und Heide Schinowsky aus dem Landesvorstand der Brandenburger Grünen habe ich die Firma SunCoal Industries GmbH in Ludwigsfelde besucht. SunCoal Industries hat ein innovatives Verfahren entwickelt, mit dem aus fast jeder Biomasse Kohle erzeugt werden kann, die einen ähnlich hohen Brennwert, wie Braun- oder Steinkohle, hat.

Kohle entsteht in der Natur in 50.000 bis 50 Millionen Jahren, in der Anlage von SunCoal Industries wird dieser Prozess innerhalb weniger Stunden technisch nachgeahmt. Bei Temperaturen von etwa 200°C und einem Druck von 20 bar wird innerhalb eines halben Tages aus Biomasse Kohle. Dieses Verfahren wird als hydrothermale Karbonisierung (kurz HTC) bezeichnet. Die HTC-Kohle hat einen ähnlichen Energiegehalt wie herkömmliche Kohle und kann als deren Ersatz verwendet werden. 

Bei unserem Besuch konnten wir die Anlage von SunCoal Industries besichtigen und uns mit den Anlagenbetreibern über die Chancen dieser Technologie austauschen.

Für Berlin ist die hydrothermale Karbonisierung vor allem interessant im Hinblick auf Laubabfälle, Mähgut und Klärschlamm. Jährlich fallen riesige Mengen dieser Abfälle an, im Jahr 2013 insgesamt fast 160.000t. Bisher werden Mähgut und Laubabfälle offen kompostiert, dies führt zu Methan und Lachgasemissionen, die deutlich schädlicher sind fürs Klima, als etwa CO2. Durch eine Behandlung dieser Abfälle mit der HTC Technologie würden nicht nur diese Emissionen eingespart werden, die entstandene Kohle könnte fossile Kohle ersetzen und dadurch ein doppelt positiver Effekt für das Klima erreicht werden.

Für mich ein spannender Input, der mir bei der Frage, was man mit den ungenutzten Biomasseabfällen in Berlin anfangen kann, einen Schritt weitergebracht haben. Trotzdem gibt es noch offene Fragen, wie tatsächliche Emissionen der Biokohle, Einsatzort und Folgen sowie Wirtschaftlichkeit im Verhältnis zu anderen Verwertungswegen. All diesen Fragen werden mein Team und ich in den kommenden Wochen und Monaten nachgehen. Ein Papier, das das nachhaltige Energiepotential von Berliner Abfallstoffen unter Berücksichtigung des Recyclingvorrangs vor der Verbrennung berechnen soll, ist in der Mache.

Image by Katharina-Franziska Kremkau / Silke Gebel, MdA  (CC BY 4.0)

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