Medikamente im Berliner Trinkwasser: Grenzwertüberschreitungen

Unsere Seen, Flüsse und auch das Trinkwasser sind vielfachen Belastungen ausgesetzt, eine dieser Belastungen sind Spurenstoffe von Medikamenten und Hormonen. Nur ein Teil der in Arzneimitteln vorhandenen Wirkstoffe wird vom Körper aufgenommen, der Rest gelangt in die Kanalisation und über die Kläranlagen, die die meisten dieser Spurenstoffe nicht entfernen können, in unsere Flüsse und Seen. Durch die demographische Entwicklung und den damit einhergehenden steigenden Medikamentenverbrauch steigt auch die Belastung der Gewässer und des Trinwassers. Ich habe zu dieser Thematik eine Anfrage beim Senat gestellt, die ihr hier findet.

Die Antworten des Senates besorgen mich sehr – in den letzten Jahren wurden mehrfach die sogenannten gesundheitlichen Orientierungswerte (GOW) in Wasserwerken Berlins überschritten. Im Jahr 2014 wurde beispielsweise der GOW für das Arzneimittel Gabapentin (ein Mittel zur Behandlung von Epilepsie) im Wasserwerk Tegel überschritten, im Jahr 2015 wurde ebenfalls in Tegel der GOW für Valsartansäure (Mittel gegen Bluthochdruck) überschritten.

Es muss eingeräumt werden, dass es bei der Frage der Arzneimittelspurenstoffe keine einfachen Antworten und Lösungen gibt. Eine end of pipe Lösung mit einer nachgeschalteten Reinigung in den Klärwerken (vierte Reinigungsstufe) ist schwierig, da zwar viele aber nicht alle Spurenstoffe verlässlich zurückgehalten werden können und sehr viele Energie benötigt wird.Insgesamt muss aber konstatiert werden, dass eine solche Reinigungsstufe die einzige Möglichkeit ist, das Problem der Spurenstoffe zu entschärfen. Die Technologien, die bei einer solchen Reinigungsstufe eingesetzt werden können, wurden in den letzten Jahren eingehend untersucht, nun ist es an der Zeit, dass abgewogen wird, wo diese Technologien zum Einsatz kommen sollten. Hierbei muss genau darauf geachtet werden, dass ein Höchstmaß an ökologischer Effektivität bei gleichzeitiger ökonomischer Effizienz gewährleistet ist.

(c) Tim Reckmann CC BY-NC-SA 2.0

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