Immer wieder Wahlplakate

Alle Jahre wieder – mit Bundestags-, Abgeordnetenhaus-, Bezirks- und Europawahlen mindestens alle zwei Jahre – wird in dieser Stadt plakatiert. Bei der Bundestagswahl sind es mindestens 60 Tonnen CO2, die dadurch entstehen, oft sind die Plakate ein Verkehrshindernis, in jedem Fall ist es ein ungeheurer Kraftakt für die Ehrenamtlichen Kräfte der Parteien. Ich habe mal verschiedene Punkte aufgeschrieben, wie es um die Umweltbilanz der Plakate besteht und was es für Alternativen gibt. Das sollte Berlin meines Erachtens nach für 2016 prüfen.

815 Meter hoher Turm Plakate – Das bleibt von der Bundestagswahl in Berlin
Parteien und TeilnehmerInnen an Volksentscheiden dürfen im Vorlauf von Wahlen oder Abstimmungen in Berlin DIN A1- oder DIN A0-Plakate im Straßenraum plakatieren, was ansonsten untersagt ist. Als Teil der öffentlichen Debatte und um auf die Wahl hinzuweisen, erfüllen sie in unserer Demokratie einen wichtigen Zweck. In Berlin wird zu Wahlen – im Gegensatz zu anderen Kommunen wie Flensburg oder Bad Kreuznach, wo nur bestimmte Flächen zur Verfügung gestellt werden – frei plakatiert. Dabei werden A1/A0-Plakate insbesondere an Laternenmasten, Bäumen und Hauswänden, sowie Großflächen (an bestehenden oder mobilen Wesselmann Großflächen-Plakatwänden) über die Stadt verteilt.
Zur Bundestagswahl 2013 haben die Berliner Landesparteien nach eigenen Angaben für die CDU 35.000 Plakate, für DIE LINKE 33.000, für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 30.000 Plakate, für die SPD 30.000 Plakate, für die FDP 12.000 (zuzüglich der Plakate ihrer Bezirksverbände) und die PIRATEN 23.000 Plakaten gedruckt. Das ergibt mindestens 163.000 Plakate die vermutlich auch alle gehängt wurden. Diese 163.000 Plakaten übereingestapelt ergeben einen mindestens 815 Meter hohen Turm. Mangels veröffentlichter Zahlen sind in dieser Berechnung die Plakate weiterer Parteien wie AfD oder MLPD, die in Berlin zum Teil massiv plakatiert haben, nicht berücksichtigt.
Das Ergebnis ist: Die Plakateflut nimmt mit jeder Wahl (scheinbar) zu. Berlinerinnen und Berliner fühlen sich im öffentlichen Straßenraum eingeschränkt, die Bezirksämter kommen mit dem Kontrollieren von falsch gehängten Plakaten nicht hinterher und die Ökobilanz der immer beliebter werdenden Plastikplakate ist bescheiden. Von den oft ehrenamtlichen Kapazitäten der Parteimitglieder, die das Hängen der Plakate frisst, ganz zu schweigen. Es stellt sich die Frage, ob es nicht andere Wege gibt, auf die Parteien und die Wahl aufmerksam zu machen, die mit weniger „Nebenwirkungen“ daherkommen. Berlin braucht eine Prüfung der Alternativen zum Plakate-Dschungel.

Hier kann man das ganze Papier samt Hintergrundinformationen zu möglichen Alternativen herunterladen.

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