Gute Diskussion beim Fachgespräch „Medikamentenrückstände im Trinkwasser“

Zum Auftakt meiner Fachgesprächsreihe „Umweltschatz Wasser“ habe ich gestern zusammen mit Heiko Thomas, unserem gesundheitspolitischem Sprecher, sowie ExpertInnen und interessierten BürgerInnen im Abgeordnetenhaus zum Thema Arzneimittelspurenstoffe im Wasser diskutiert. Ein klares Fazit dieses Fachgesprächs ist, dass wir in diesem Bereich aktiv werden müssen und Maßnahmen und Strategien benötigen, um unser Trinkwasser zu schützen.

Wenn man sich die großen Herausforderungen für die Berliner Wasserversorgung anschaut, dann ist neben der Sulfatbelastung aus Brandenburg die Frage der Spurenstoffe und Medikamentenrückstände eine der zentralen Herausforderungen, vor der wir hier stehen.
Die Herausforderung ist auch deshalb so schwer zu meistern, weil sich die Verschreibungspraxis und damit die Zusammensetzung der Spurenstoffe stetig ändert und zusätzlich neue Wirkstoffe hinzukommen. Herr Benno Rießelmann (ehemaliger Leiter der Abteilung Toxikologie des Landesinstitutes für gerichtliche und soziale Medizin Berlin) veranschaulichte in seinem Vortrag diese Problematik anhand mehrerer Beispiele. Aus einer anderen Perspektive beleuchtete Herr Prof. Dr. Jekel in seinem Vortrag die Problematik der Spurenstoffe. Er stellte die Ergebnisse des von ihm geleiteten Forschungsprojektes „Askuris“ vor, welches sich mit der Frage befasst, welche technischen Möglichkeiten es gibt, Spurenstoffe aus dem Wasser zu entfernen. Als dritter Referent befasste sich Herr Dr. Rainer Bienfait vom Berliner Apotheker Verband mit der Frage, welche Möglichkeiten von Seiten der Apotheken bestehen, um Spurenstoffe zu vermeiden.

Deutlich wurde bei allen Vorträgen, dass es bei der Problematik der Spurenstoffe keinen goldenen Weg gibt, der das Problem der Spurenstoffe löst. Wir brauchen verschiedene Maßnahmen, um die Belastung des Wassers zu vermindern.
Einstimmigkeit herrschte auf dem Podium und Plenum bei der Frage, ob wir in Berlin eine vierte Reinigungsstufe in den Kläranlagen benötigen. Dieser technische Ansatzpunkt ist ein gangbarer Weg, um Spurenstoffe zu eliminieren bzw. zurückzuhalten. Fraglich ist noch, welche Technik zum Einsatz kommen sollte, es gibt technisch mehrere Möglichkeiten (Ozonierung, Aktivkohle), die unterschiedliche Vor- und Nachteile haben.
Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt ist der Datenaustausch zwischen den Pharmaunternehmen und den Zulassungsbehörden auf der einen Seite und den Berliner Wasserbetrieben auf der anderen Seite. Damit letztgenannte wissen, wonach sie suchen müssen und welche Stoffe relevant sind, ist es wichtig, dass ihnen Daten zur Umweltrelevanz der einzelnen Stoffe vorliegen.
Des Weiteren muss die Rückgabemöglichkeit von Altmedikamenten bei den Apotheken verbessert werden. Es sollte für jede(n) BürgerIn Berlins ohne Probleme möglich sein, dass er seine Altmedikamente bei der Apotheke um die Ecke kostenfrei abgibt.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der damit einhergehenden Zunahme des Medikamentenverbrauchs, sowie dem Klimawandel der dazu führt, dass die Flüsse weniger Wasser führen und der prozentuale Anteil an geklärten Abwässern und damit der Spurenstoffe zunehmen wird, ist es unabdingbar, dass wir bei den oben aufgeführten Ansatzpunkten tätig werden.

Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals bei allen bedanken, die gestern mit uns zu diesem sehr wichtigen Thema diskutiert haben und möchte Sie und euch auch herzlich zum zweiten Termin der Fachgesprächsreihe „Umweltschatz Wasser“ einladen. Am 12.10. (18:30 Uhr, im Berliner Abgeordnetenhaus) werden wir uns mit dem Thema vierte Reinigungsstufe in den Klärwerken befassen.

 

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