Grüne Dächer in Berlin?

Ist euch schon mal aufgefallen, dass es nach starkem Regen am Landwehrkanal immer ein wenig streng riecht? Der Grund hierfür ist, dass in Berlin noch immer Abwässer ungeklärt in die Gewässer eingeleitet werden. Dies passiert immer dann, wenn die maroden Abwasserkanäle das Gemisch aus Regen- und Fäkalwasser nicht mehr schnell genug abtransportieren können (starker Regen), dies passiert an 39 bis 52 Tagen im Jahr. Ich habe dem Senat diesbezüglich schriftlich Fragen gestellt, die Antworten findet ihr hier.

Die gute Nachricht ist, dass dieses Problem gelöst werden kann, nur leider tut der Senat viel zu wenig dafür. Damit die Kanalisation entlastet wird, muss mehr Regenwasser direkt am Ort des Niederschlages versickern und verdunsten – dezentrale Regenwasserbewirtschaftung heißt hier das Zauberwort.  Bei der Problemanalyse kann man dem Senat keinen Vorwurf machen, es wird klar konstatiert: „Mischwasserüberläufe verursachen mit ihren Nährstoff- und Schadstoffeinträgen unterschiedliche Schäden in den Gewässern. Langfristig wird die Eutrophierung mit all ihren negativen Auswirkungen angeheizt, aber auch sofortige Wirkungen wie Fischsterben oder hygienische Beeinträchtigungen der Badegewässer sind möglich.“

Im Kern kann dieses Problem nur durch einen Ansatz behoben werden, bei dem mehrere Instrumente und Maßnahmen gebündelt werden – wichtig ist ohne Frage, dass räumliche Kapazitäten gebildet werden müssen, in denen nach Starkregenereignissen, Wasser zwischengespeichert wird. Weiterhin müssen aber auch Maßnahmen ergriffen werden, damit Regenwasser unmittelbar am Ort des Niederschlages versickert und verdunstet. In anderen Städten wie Hamburg und international Paris oder Chicago gibt es Programme, die Dachbegrünungen fördern. Neben dem primären Effekt, dass Regenwasser auf den begrünten Dächern länger gehalten wird, dort verdunstet und somit die Kanalisation entlastet, gibt es noch weitere positive Effekte, wie etwa die Aufwertung des Stadtbildes und die Stärkung der Biodiversität durch die auf den Dächern wachsenden Pflanzen.
Leider gibt es für Berlin kein entsprechendes Programm zur Begrünung der Dächer und auch weitere Maßnahmen zur Entsiegelung von Flächen werden nicht durchgeführt.

Dies ist vor allem traurig, wenn man sich vor Augen führt, dass es in den Jahren 1983 bis Ende 1995 mit dem Berliner Hofbegrünungsprogrogramm bereits ein Instrument gab, mit dem die Kanalisation entlastet wurde. 

Also lieber Senat: zurück in die Zukunft!

Images by Inhabitat Blog (CC BY-NC-SA 2.0)

 

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