Gedenken an die Reichspogromnacht an der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule

Am heutigen Montag gedachte die Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule in Moabit der Pogromnacht vor 81 Jahren. Ich fühlte mich geehrt, an der Zeremonie teilnehmen zu dürfen. Die Schülerinnen und Schüler hatten ein rührendes und respektvolles Programm vorbereitet. In der Schulaula präsentierten sie eine szenische Darstellung des Schicksals der Familie Meyerowitz. Dass die Enkelin der Familie extra aus London angereist war, um der Veranstaltung beizuwohnen, verlieh der Vorführung noch mehr Durchschlagskraft. Wie sehr sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Schicksal der Verfolgten beschäftigt und in ihrer Freizeit viel Zeit in die Aufführung investiert haben, hat mich sehr beeindruckt!

Anschließend folgte ein Gedenken an der nah gelegenen Erinnerungsstätte Güterbahnhof Moabit, von wo aus mehr als 30.000 Menschen in Ghettos und Vernichtungslager verschleppt wurden. Schülerinnen und Schüler spielten dem Anlass angebrachte Musik, so eine wunderschöne jiddische Version von „Dona Dona“. Im Anschluss war es mir erlaubt, einige Worte an die Versammlung zu richten, die ich an dieser Stelle gerne mit Euch und Ihnen teilen möchte:

Liebe Schülerinnen und Schüler,

Ihr habt Euch die letzten Tage und Wochen mit der Vergangenheit – mit der dunkelsten Vergangenheit Deutschlands beschäftigt. Und Ihr habt sicherlich auch die Frage zum Heute und zum Hier gestellt. Denn das unbeschreibliche, dessen Fratze man am 9. November vor 81 Jahren erahnen konnte, ist auch so unbeschreiblich, weil es keine Fremden traf, sondern Nachbarn, wie die Familie Meyerowitz. Weil trotzdem fast alle weggeschaut haben. Das Wegschauen, die Monstrosität, zeigt der Güterbahnhof Moabit. Weil es gezeigt hat, dass das Band der Nachbarn nicht stark genug ist, um dem Unmenschlichen Einhalt zu gebieten. Und deshalb sind wir alle, seid Ihr als nächste Generation gefragt, dieses Band der Menschlichkeit zu sein, dass unsere Stadt zusammenhält. Ich bin froh, dass Ihr als Schule diese Erinnerung wach haltet! Wir alle sind das Bollwerk von #NieWieder.

Denn der Hass gegen vermeintlich Andere flackert immer wieder auf. Die NSU-Mordserie, die an neun Menschen verübt wurde, deren familiäre Wurzeln in der Türkei und Griechenland lagen, der Attentäter von Halle, der nur von einer stabilen Tür davon abgehalten wurde ein Massaker zu begehen und trotzdem zwei Menschen getötet hat oder das Wahlergebnis in Thüringen, wo eine Partei mit einem antisemitischen Spitzenkandidaten, der auch immer wieder gegen Muslime hetzt, 23% der Stimmen gewonnen hat. All das zeigt: Es kann gar nicht genug Pfeiler für unsere Demokratie geben. Denn Nie Wieder Faschismus, Nie wieder Rassismus, Nie wieder Antisemitismus heißt umgekehrt: Immer Demokratie! Immer Freiheit! Immer Gleichheit! Deshalb kann ich Euch nur sagen: seid mutig, seid aufrecht, reißt die Mauern in unserer Gesellschaft und in Euren Köpfen ein und seid der Berliner Zusammenhalt!

Es gilt das gesprochene Wort.

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