Die Banden der Favelas – Armut, Gewalt, Kriminalität

Foto: Flickr StayFly

Dieser Artikel von mir erschien in der vergangenen Ausgabe des SPUNKs, der Mitgliederzeitung der GRÜNEN JUGEND:

Im vergangenen Jahr – 2006 – gab es einen Gefängnisaufstand, der Brasilien in die internationalen Schlagzeilen brachte und mehrere Wochen andauerte. Die Banden der Favelas hatten ihn aus den Gefängnissen und Favelas geleitet. Doch was sind eigentlich die Favelas und welchen Einfluss haben die Banden wirklich?

Favelas gelten mittlerweile als Synonym für Armenviertel weltweit, ursprünglich sind sie um die großen Städte Brasiliens entstanden. Benannt sind sie nach dem gleichnamigen Hügel vor Rio de Janeiro, auf dem ihre Gründerinnen und Gründer auf der Suche nach Arbeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihre Hütten bauten. Im fünftgrößten Land der Welt mit seinen über 188 Millionen Menschen gibt es Favelas überall. Oft selbstorganisiert, gelten staatliche und demokratische Regeln gelten dort nicht unbedingt überall. In ihnen haben sich Banden gebildet, die für ihre Art der Ordnung sorgen.

Lange hat der Staat den Armen seines Landes keine Beachtung geschenkt. In den letzten Jahrzehnten versuchten die Regierungen aber immer mehr einen Weg zu finden mit den Problemen der Favelas umzugehen. Zwischen Umsiedlungen und Integrationsmaßnahmen wie dem Programm „Favela Bairro“, das bis 2010 in alle Favelas Strom, Wasser, Kanalisation etc. bringen soll, gibt es immer wieder Ansätze dem Umstand der „Städte in den Städten“ entgegenzutreten. Die größte Favela Lateinamerikas ist Rocinha im Süden von Rio de Janeiro mit einer Bevölkerung von angeblich bis zu 250.000 BewohnerInnen.

Alltag in den Favelas

Die Probleme in den Favelas sind vielfältig, hauptsächlich sind es aber Armut, Ausgrenzung und Gewalt. Als der Kokainhandel aus Kolumbien seinen Weg nach Europa über Brasilien gefunden hat, um von dort verschifft zu werden, hat die organisierte Kriminalität enormen Aufwind bekommen. Denn mit den Drogen kam das Geld und mit dem Geld die Verteilungsproblematik. Dies führte zu einer regelrechten Aufrüstung mit neuen Waffen in den Favelas. Tödliche Querschüsse von alltäglichen Schießereien oder gezielte Hinrichtungen waren die Folge. Die Konflikte gewannen immer mehr an Schärfe und das Prinzip Darwin – der stärkere überlebt – rekrutierte immer mehr Menschen für die organisierte Kriminalität, bevorzugt junge nicht ausgebildete Männer.

Durch die unerlässliche Brutalität und einem breiten System von UnterstützerInnen und Abhängigkeiten erlangten immer mehr Banden die Oberhand in den Favelas. Zwar haben sich zum Teil basisdemokratische Selbsverwaltungen gebildet, doch diese Politikstrukturen ohne großen Rückhalt im Land, können sich nicht gegen die Machtstrukturen der Banden durchsetzen. Hinzu kamen immer wieder brutalste Übergriffe von staatlicher Seite, auch in den letzten Jahren, die die Akzeptanz der Politik und Regierung mehr schwächten als stärkten.

Wie stark ist der Einfluss der Banden?

Die Macht der Banden macht sich exemplarisch deutlich, wenn man die Gewaltausbrüche aus dem Mai 2006 betrachtet. Rund 800 Gefangene, die der Organisation „Erstes Hauptstadtkommando“ (Primeiro Comando do Capital – PCC) angehören, sollten in ein anderes Gefängnis verlegt werden. Der Einfluss der gefangenen Bandenmitglieder ließ aber das Land für einige Wochen fast im Chaos versinken. Zuerst starben zahlreiche Menschen bei Aufständen in etichen Gefängnissen, später gab es eine Reihe von Anschlägen auf Polizeiwachen, Militäranlagen und Polizeifahrzeugen. Insgesamt sind bei diesem Gewaltausbruch fast 300 Menschen gestorben.

Der enorme Einfluss der Bandenchefs, die häufig ihre Macht einem ganzen Clan übertragen, reicht soweit, dass selbst Verhandlungen mit der Polizei geführt werden können. Durch die Macht in den Favelas können sie politische Kraft entfalten und WählerInnenstimmen organisieren. Dies erlaubt ihnen nach Deals mit der Polizei und anderer staatlicher Stellen weitestgehend ungestört ihrer Arbeit nachzugehen. Dadurch werden die Probleme gefestigt und nicht verringert.

Gegenmaßnahmen und Handlungsoptionen

Etliche Gegenmaßnahmen wurden angesichts der massiven Gewalteskalationen angekündigt. Allerdings hat der brasilianische Präsident Lula da Silva den Haushaltsansatz für den Strafvollzug schon vorher um 48,5 Prozent reduziert.

So werden die Probleme der Favelas nicht gelöst. Zwar wird der Kriminalität durch Programme wie „Fome Zero – Null Hunger“ teilweise der Boden entzogen, doch solange es eine so starke Parallelstruktur gibt, die ihrem Willen mit Waffengewalt Ausdruck verleihen kann, wird sich nichts ändern und die, die Wahl haben, werden versuchen in den Drogenbanden „Karriere“ zu machen.

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  1. Maus

    Ich möchte nur wissen wo dieses bild von den slums in brasilien entstand? In welcher Stadt?

    Wäre nett wenn mir jemand diese Frage beantworten würde…

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    • imortalidade

      hallo,
      das ist die favela // Rocinha// in rio de janeiro mit ca.250000 einwohnern.sie ist weltweit bekannt da sie sich im hang eines berges befindet.
      cumprimentos

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