Baden im Rummelsburger See möglich machen

In Laufweite zum S-Bahnring, mit Blick auf den Fernsehturm und den Treptower, schlummert eine Altlast im Wasser. Fragwürdige Entsorgungspraktiken zu Zeiten, als das Gebiet noch industriell genutzt wurde, verhindern heute, dass der See als Naherholungsgebiet in seiner Gänze genutzt werden kann. Wir Bündnisgrüne setzen uns für eine ökologische Sanierung ein, mit dem Ziel im Rummelsburger See endlich baden zu können. Zu diesem Zweck haben wir einen Antrag auf der kommenden LDK gestellt.

AntragsstellerInnen: Camilla Schuler (KV Berlin-Lichtenberg), Silke Gebel (KV Berlin-Mitte), Paula Riester (KV Friedrichshain-Kreuzberg), Henriette van der Wall (KV Berlin-Lichtenberg), Bartosz Lotarewicz (KV Berlin-Lichtenberg), Eva Molau (KV Berlin-Lichtenberg), Zsofia Vig (KV Berlin-Lichtenberg), Paul Meyer-Dunker (KV Berlin-Lichtenberg), Stefan Gelbhaar (KV Pankow), Jonas Schemmel (KV Friedrichshain-Kreuzberg), Robert Pohle (KV Berlin-Lichtenberg), Annika Gerold (KV Friedrichshain-Kreuzberg), Sebastian Füllgraf (KV Berlin-Lichtenberg), René Schindler (KV Berlin-Lichtenberg), Regina Schmidt (KV Berlin-Lichtenberg), Jana Schindler (KV Berlin-Lichtenberg), Svenja Almann (KV Berlin-Mitte).

Einen Steinwurf vom S-Bahnring entfernt befindet sich die Rummelsburger Bucht. Ein Seitenarm der Spree, der eher an einen See als einen Fluss erinnert. Nach jahrzehntelanger, industrieller Nutzung und Verschmutzung hat sich nach dem Fall der Mauer einiges getan. Wie toll wäre es, hier baden zu können. Trotzdem ist das einladende Nass weit von Badequalität entfernt. Noch immer lagert eine bis zu sechs Meter dicke, verseuchte Schlammschicht aus Schwermetallen, Mineralkohlenwasserstoffen und anderen organischen Schadstoffen auf dem Grunde des Sees, die durch die zunehmende Schifffahrt aufgewirbelt wird. Eine Spundwand verhindert weitere Schadstoffeinträge aus der Spree, bis zu diesem Jahr lief permanent eine Sauerstoffanlage, um den See umzuwälzen. Viele Schadstoffe kommen aus den Zuflüssen der Spree und Dahme aus Brandenburg, durch die voranschreitende Belastung der Spree mit Sulfat rollt außerdem eine Fracht auf Berlin zu, deren Ausmaß auf die Gewässerqualität man heute kaum absehen kann. Lokal gelangt ein Ein großer Teil neuer Schadstoffeinträge gelangt nach wie vor durch Regenwassereinleitungen in den See. Dies könnte durch Reinigung und Verwendung des Regenwassers am Ort des Anfalls verhindert werden. Bei Planungen der Neubaugebiete im Norden des Sees spielt dies jedoch keine Rolle. Dort ist geplant, das Regenwasser zentral zu erfassen und in die Spree zu pumpen.

Gleichzeitig sind in den vergangenen Jahren viele Menschen an den Rummelsburger See gezogen. Der ehemalige Industrie- und Deponiesee wird zum Freizeitort. Aus dem alten Industriegebiet ist ein Viertel geworden, was noch seine Kiezstruktur sucht, aber mit neuen Cafés und einer Boulderhalle auf einem tollen, bunten Weg ist. Dieser Kiez definiert sich stark durch das Wasser, durch den Rummelsburger See.

Bündnis 90/Die Grünen unterstützen diese Idee eines Kiezes, der mit und am Wasser lebt und fordern daher:

  • Baden soll im Rummelsburger See möglich sein. Der Senat soll mit den zuständigen Bezirksämtern ein Konzept vorlegen, mit welchen Maßnahmen dieses Ziel erreicht werden kann.
  • Der Rummelsburger See und die Spree darf nicht weiter mit Schadstoffen belastet werden. Ein Großteil der Schadstoffe gelangt über Regenwassereinleitungen in das Wasser. Deshalb muss bei Neubaugebieten eine dezentrale Nutzung des Regenwassers im Bauleitplan festgeschrieben werden. Im Bestand müssen Maßnahmen für eine Reinigung oder Nutzung des Regenwassers am Ort des Anfalls entwickelt und ergriffen
  • Der Rummelsburger See muss endlich Landschaftsschutzgebiet werden. Nur so kann gewährleistet werden, dass die einzigartige Kulturlandschaft in ein ökologisches Gleichgewicht gebracht wird.
  • Der Rummelsburger See braucht ein Nutzungskonzept. Nur so ist eine Naherholung für KiezbewohnerInnen und BesucherInnen möglich. Vorrang soll dabei denen gegeben werden, die nicht negativ in das empfindliche Gleichgewicht der Natur eingreifen.
  • Der Sportplatz an der Georg-Löwenstein-Straße soll bleiben und darf nicht der Umleitung des Regenwassergrabens Ruschegraben zum Opfer fallen. Bessere Reinigungsmöglichkeiten des Regenwassers im gesamten Einzugsgebiet des Ruschegrabens sowie Ersatzstandorte für die auf dem Sportplatz Georg-Löwenstein-Straße vorgesehene Regenwasserreinigungsanlage müssen nach ökologischen Gesichtspunkten mit den betroffenen Menschen vor Ort geprüft werden. Alternativen, die das Ziel haben, den Rummelsburger See nicht weiter zu belasten, sind aufzuzeigen. Der B-Plan XVII-4 „Ostkreuz“ im Norden des Rummelsburger Sees muss dann entsprechend angepasst werden.

Begründung:

Der Rummelsburger See ist seit Jahren als Naherholungsgebiet für Lichtenberger und Friedrichshainer Bürger*innen ein beliebter Ort und Treffpunkt. Eine wichtige Rolle nimmt dabei die Bucht ein. Sei es das Entspannen am Wasser oder das Paddeln auf dem See, der Rummelsburger See wird stark genutzt. Der Wunsch hier zu baden, wird immer wieder laut, oftmals auch schon heute einfach umgesetzt. Der nicht motorisierte Wassersport, der mit Ruderbooten oder Surfbrettern keine Sedimentaufwirbelung verursacht, nimmt genauso wie der motorisierte Schiffsverkehr zu. Ein Nutzungskonflikt ist vorprogrammiert.

Der ökologische Zustand des Sees wird seit Jahren als kritisch bezeichnet. Verschiedene Renaturierungsmassnahmen sind bisher unternommen worden, führten aber noch nicht zum Ziel. Gleichzeitig gibt es Versuche mit neugebauten Steganlagen Fakten zu schaffen, die das Gleichgewicht des Sees durcheinander wirbeln können. Durch eine bereits bestehende Zunahme der motorisierten Schifffahrt – Privatboote wie Fahrgastschifffahrt – wird das Ziel eines ökologischen Gleichgewichtes gestört. Die Motoren wirbeln Sedimente im See auf, die Dieselrussemissionen belasten die Gesundheit der AnwohnerInnen und See-BesucherInnen

Regenwassermanagement muss mit den Menschen und der Natur in Einklang gebracht werden. Es kann nicht sein, dass Neubaugebiete wie das geplante Quartier „An der Mole“ im Nordwesten der Rummelsburger Bucht nach Schema F gebaut werden, und so in Kauf genommen wird, dass benachbarte Kieze ihren Sportplatz verlieren und die Gewässerqualität des Rummelsburger Sees noch schlechter wird. Das anfallende Regenwasser vor Ort zu bewirtschaften durch Fassaden- oder Dachbegrünung, andere Verdunstungsräume sowie durch kleinteilige Reinigungsanlagen für das abfließende Regenwasser, verbessert die Lebensqualität aller AnwohnerInnen. Das Kompetenzzentrum Wasser Berlin forscht derzeit im Programm KURAS gefördert durch EU-Mittel, wie solche Maßnahmen effizient erfolgen können; mit dem Potsdamer Platz gibt es bereits bestehende Beispiele in der Stadt, die adaptiert werden können. Was fehlt, ist ein übergeordneter Plan des Senates mit dem Ziel, Regenwasser nicht teuer und unökologisch über die Kanalisation abzuführen, sondern vor Ort in den Wasserkreislauf einzuspeisen.

Ein Landschaftsschutzgebiet trägt diesen Entwicklungen Rechnung und gibt die Orientierung für die gegenwärtig von Einzelinteressen getriebenen Entwicklungsmaßnahmen der Anrainerbezirke, des Wasserschifffahrtsamtes und der Senatsbehörden.

Die Spree ist im gesamten Stadtgebiet für die motorisierte Schifffahrt reserviert. Der Rummelsburger See muss die Spielstraße auf dem Wasser werden. Für die Menschen, für die Natur und für die Zukunft von Berlin.

Image by jwyg, CC BY-SA 2.0

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